extraprima
Champagner- und Weinimport
Thomas Boxberger-von Schaabner
Friedrichsplatz 16
68165 Mannheim
Telefon (06 21) 2 86 52
Telefax (06 21) 2 49 57
info@extraprima.com
Öffnungszeiten
| Mo. | geschlossen |
| Di. – Do. | 10:00 – 18:30 Uhr |
| Fr. | 10:00 – 20:00 Uhr |
| Sa. | 10:00 – 16:00 Uhr |
Newsletter
Hier können Sie unseren Newsletter abonnieren.
Zur Newsletter-Anmeldung.
Vertikalprobe Château Palmer am 20.11.2010
20.11.2010 18:00 von Thomas Boxberger-von Schaabner
Verkostungsnotizen von Thomas Boxberger-von Schaabner
1959 Château PALMER – Margaux
96/100
Leider hat der Mid-Shoulder-Füllzustand dieser Flasche dem Wein eine
intensive Oxidationsnote zugefügt, die auch Zulasten der Frische und
Komplexität ging. Dafür zeigte der 59er nach etwa einer halben Stunde
welch immense Kraft und Extraktsüße weiterhin in ihm schlummerte. Die
Farbe war noch sehr dicht und recht dunkel, mit deutlichem Orangerand.
Süße, intensive, reife Nase mit Marmeladearomen, zartem Geranienduft und
intensiver Fülle. Dazu Rosenblätter, Orangenzesten und eine dezente
Alterssüße, jedoch durch den mangelnden Füllzustand immer von
Liebstöckel überzogen. Tief und imposant wuchs das Duftbild mit weiterer
Belüftung. Süße Attacke am Gaumen mit sehr feinkörnigen Tanninen und
rassigem Verlauf bei würdevoll gereifter, üppiger Frucht. Zeigt mehr und
mehr Länge, ganz elegant und mit tief verwurzelter Vielschichtigkeit.
Gewinnt immer mehr an Süße und Intensität. Erst mit 94/100 bewertet,
entwickelte er sich im Glas zu einem grandiosen Erlebnis wie die meisten
1959er Bordeaux‘.
1970 Château PALMER – Margaux
93/100
Dichte dunkle Farbe mit aufhellendem Rand. Zarte, dichte Nase, etwas
verschlossen, doch schöne Süße und Üppigkeit ausstrahlend. Wirkt in der
Nase wie eine groß gewachsene, distinguierte Dame. Sehr tief und
vielschichtig, ganz fleischig und fest am Gaumen. Die Frucht zeigt sich
im Mund ganz frisch und deutlich lebendiger und kräftiger als erwartet.
Sehr fokussierter, klarer Verlauf mit kerniger Säure, die ihm
burgundische Finesse verleiht. Der 70er besitzt eine tolle Saftigkeit im
Mittelstück mit Schwung und Länge. Weiter hinten entfaltet er mit
schöner Würze und generöser Süße Kirscharomen und eine zart gereifte,
rotbeerige Fülle und mündet im palmer-typischen Blumenmeer. Er bleibt
immer frisch und süß am Gaumen mit viel Schmelz und eleganter Struktur.
Das lang anhaltende, feinkörnige Tannin ist weit und ausgewogen
verteilt. Beachtliches Trinkvergügen nach mittlerweile 40 Jahren. 44M |
31CS | 16PV | 9CF.
1971 Château PALMER – Margaux
91/100
Dichte Farbe, sehr klar und leuchtend, wässriger Rand. Intensiv duftende
Nase mit üppiger Kopfnote. Überraschend opulent mit frischer, etwas
vordergründiger Frucht und sehr schöner, distinguierter Art. Dem
Jahrgang und Alter geschuldet, zeigt das Nasenbild wenig Tiefe und
suggeriert schwindende Stabilität. Etwas matt beginnt er im Mund, bringt
dennoch eine schöne Würze und saubere Aromen hervor. Etwas schlank und
mit karger Mitte ausgestattet, ist der 71er dennoch recht fein. Die
steinig-trockene Frucht bremst nach hinten auf dem trocknenden Tannin.
Rotbeeriger, leicht hohl wirkender, unerfüllter Abgang. Dennoch ist es
ein schöner, eigenständiger Wein, der süß und schlank im Mund zurück
bleibt. Tatsächlich kippte er recht schnell. Undekantiert und zügig
vernichten.
1975 Château PALMER – Margaux
90/100
Helle, mittlere Farbe. Frisch geöffnet ist die Nase erst dominiert von
Tabak, Chlor, Fruchtsüße und abgestandenen Hummerkarkassen, sowie einer
störenden Kräuter-Kümmel-Note. Möglicherweise schlechte Lagerung?
Rauchig, etwas altes Holz und eine »biologisch instabile Süße«
anzeigend. Süße Attacke im Mund mit brachial dominierendem Tannin.
Dahinter kommt die noch frische Frucht nicht ganz durch. Leichte Unreife
anzeigend, schmalbrüstig und schlank aber wesentlich sauberer im Mund
als in der Nase. Nicht sehr lang, aber ein Achtungserfolg im schwierigen
Jahrgang. Achtung: wohlwollende Wertung! 47CS | 40M | 8PV | 5CF.
1983 Château PALMER – Margaux
95/100
Hier gingen die Meinungen stark auseinander. Während für mich der 85er
klar der bessere und vor allem konzentriertere Wein war, gab es einige
Verkoster, die den 83er bevorzugten. Allerdings denke ich, dass der 83er
gegenüber früheren Proben schon etwas abgebaut hat: Leuchtende Farbe,
dunkel bis zum Rand. Offen und intensiv verströmt der 83er eine breite,
generöse Frucht, eingebettet in einem Blumenmeer, ganz weit verteilt und
voll. Ein wundervoll üppiges Bouquet von großer Intensität und Fülle,
ganz tief und würzig, komplex und frisch. Süßer Auftakt im Mund, ganz
offen und vollmundig. Sensationelle Saftigkeit im Mittelstück mit großer
Kraft und Rasse. Sattes Extrakt, ganz jung und beissend am Gaumen. Sehr
kernige Struktur mit vollem Tannin unterlegt, das ebenfalls ganz fein
und komplex am Gaumen liegt. Jugendlich und ewig lang, üppig-reif und
festfleischig. Schönes, rassiges Tannin im Abgang, das eine trockene,
gereinigte Zunge zurück läßt. Ein großer Klassiker – »très Margaux«.
53CS | 41M | 4CF | 2PV.
1985 Château PALMER – Margaux
96/100
Dichte, leuchtende Farbe. Üppig, füllig und intensiv, noch tiefer und
nachhaltiger als der 83er. Hier ist alles drin. Reife, üppig-dichte,
rotbeerige Frucht mit großer Würze und riesigen Kraftreserven. Ein
leicht torfiger »Single-Malt-Ton« schwingt in der Kopfnote mit,
unterlegt mit großer Extraktsüße, sehr opulent und duftig. Ein
Blumenmeer mit Jasmin und Veilchen, ganz tief und unglaublich intensiv
und frisch. Ganz süß und deutlich fleischiger und intensiver als der
83er startet der große 85er im Mund. Dabei ist er auch wesentlich
jugendlicher und fester, bei eindeutig mehr Extrakt. Während der 83er
viel Pulver bereits in der Jugend verschossen hat, entwickelte sich der
85er nun zu monumentaler Gestalt. Ganz tolle, rauchige Struktur mit
Kraft und sensationellem Druck. Von extremer Ausdrucksstärke
angetrieben, strahlt er eine hohe Intensität und Jugend aus. Süß und
intensiv im Abgang verfügt der 85er auch über feineres Tannin als der
83er bei jeweils mehr Druck, Kraft und Extrakt. Endet lang, ganz
vielschichtig, mit enormer Finesse und Schmelz. 57CS | 33M | 6CF | 4PV.
1989 Château PALMER – Margaux
92/100
Dichte, dunkle Farbe. Süß, intensiv und etwas speckig flutet der 89er
Palmer das Glas. Sehr breit und füllig kommt er daher und zeigt
deutliche Einflüße eines heißen Jahrgangs. Damit ist er wesentlich
weniger frisch als 1983 und 1985. Mehr Fett und weniger Tiefe vermittelt
der 89er Palmer, mit malziger Süße im Hintergrund, üppig jedoch ohne
große Komplexität. Die Zunge verwöhnt er mit schöner Opulenz von süßer,
fetter Frucht und breitem Körper. Das süß-saure Spiel zeigt nicht die
Tiefe und Länge großer Jahre und auch das feiste Tannin in der leicht »gebackenen« Struktur wirkt massig und eher etwas plump. Das klingt nun
alles etwas sehr kritisch und ist sicherlich dem grandiosen Eindruck
geschuldet, die der 83er und 85er kurz zuvor hinterlassen haben. 52CS |
41M | 6PV | 1CF.
1990 Château PALMER – Margaux
89/100
Gute Farbe, etwas matt. Etwas harmlose, zarte Nase, weit aufgespannt,
mit leichtem Geraniol-Ansatz, wenig Tiefe und Intensität. Satte Attacke
am Gaumen, etwas metallisch und mit stumpfem Tannin belegt, entwickelt
der 90er wenig Schmelz. Gute Dichte und Extrakt, wirkt aber nicht
verbunden mit dem Tannin und auch die Säure steht separiert. Ein
schwacher 90er, wie es in diesem vermeintlich großen Jahrgang einige
Enttäuschungen gibt. Ohne Harmonie, trockenes, stumpfes Tannin. 54CS |
34M | 7CF | 2PV.
1995 Château PALMER – Margaux
94/100
Dunkle Farbe. Die jugendliche Nase zeigt eine leichte Reduktion und
benötigt dementsprechend Zeit sich zu entwickeln. Dahinter formiert sich
eine sehr intensive, schwarz- bis rotbeerige Frucht, hochverdichtet,
satt, weit, komplex und wesentlich präziser als es der 90er vermochte.
Süß, intensiv, sehr fett und etwas margaux-untypisch präsentiert sich
der 95er Palmer sehr massiv vom Merlot und mit hohem Druck vom reifen
Cabernet. Viel Kraft und satte Adstringenz ausstrahlend zeigt sich
dieser jugendliche Palmer fest gewebt und fast ein wenig streng. Seine
kraftvolle Struktur bleibt anfangs fest und anpackend, erst im Abgang
kommt die süße Palmer-Fülle, die den Gaumen verwöhnt, generös, saftig
und rotbeerig an. Leider undekantiert verkostet. 51M | 40CS | 9CF.
1996 Château PALMER – Margaux
96/100
Grandiose, massive Farbe. Süß, intensiv und anfänglich sehr
verschlossen, zeigt der große 96er Palmer ein ganz weit gefasstes,
offenes Nasenbild von enormer Fülle. Opulent und reif, gebettet in einem
offenen Blumenbouquet, zeigt er eine sehr schöne, klare,
hochsaturierte, leicht speckige Frucht. Ganz süß und opulent, von
sensationeller Fülle angetrieben, zeigt der grandiose 96er Palmer trotz
enormem Druck eine sehr feingliedrige und dicht gestaffelte Struktur.
Von der Anlage her ist der 96er der kompletteste Palmer der 80er und
90er dieses Abends! Süß, hochverdichtet, intensiv und lang, ist dieser
Wein mit allem ausgestattet, was man sich wünscht. Trotz geringerem
Merlot-Anteil besitzt er mehr Rotbeerigkeit als der 1995er Palmer. 55CS |
40M | 4CF | 1PV.
1998 Château PALMER - Margaux
92/100
Dunkle, dichte Farbe. Nach dem großen 96er Palmer ist der 98er natürlich
weniger intensiv und wirkt etwas hohl und leicht vordergründig. Zart
und zuerst wenig druckvoll, entwickelt sich die Nase mit der Luft zu
einem stoffigen Gebilde. Einladende Fruchttöne werden von Blüten,
Rosenblättern und etwas Geraniol begleitet. Süße, opulente Attacke am
Gaumen mit etwas strenger, zur Härte neigender Säure, die ihm eine
gewisse Unwucht verleiht. Sehr kernig aber auch etwas verkrampft auf der
Zunge entwickelt er einen rassigen, strengen Körper von mittlerer Länge
und leicht trocken zurück bleibendem Mittelstück. Etwas steif und
ungelenk, dennoch von schöner Struktur, zeigt sich der 98er Palmer
derzeit in einer schwierigen Phase. Liegen lassen. 52M | 43CS | 5PV.
1999 Château PALMER – Margaux
92/100
Dunklere Farbe als der 98er. Süß, reif und üppig, mit viel Saft
ausgestattet und schöner palmer-typischer Frucht- und Blütenfülle. Ohne
eine wirklich große Palmer-Nase zu entwickeln, zeigt sich der Duft des
99ers sehr klassisch, süß, reif und klar, mit saftigem Schmelz darin.
Süß und rund, sehr offen und mit guter, kraftvoller Struktur
ausgestattet, bleibt der 99er Palmer dennoch etwas schmalbrüstig und von
mittelfeiner Tanninkörnung im Mund. Sehr komplett, von mittlerer Fülle
und mit gutem Grip am Gaumen, ist es ein sehr stabiler, blitzsauberer
99er, der ja eher zu den günstigeren Jahrgängen zählt. 48CS | 46M | 6PV.
2001 Château PALMER – Margaux
93/100
Dunkle Mitte, aufhellender Rand. Süße Nase mit schöner Reife darin und
deutlich besser als 1999. Sehr aufgeräumt und sauber, wirkt er kompakt,
reichhaltig und mit viel Stoff ausgestattet. Mit schöner, runder Süße,
teeriger Würze und ganz langer, kompletter, breit angelegter
Tanninstruktur überzeugt er im Mund. Dabei ist er immer mit saftigem
Extrakt unterlegt, sehr vielschichtig und reif. Ein sehr ausgewogener
Palmer von ausgezeichneter Reife und Struktur aus einem generell
unterschätzten Jahrgang. 51CS | 44M | 5PV.
2003 Château PALMER – Margaux
88/100
2003 ist generell ein schwieriger Jahrgang in ganz Europa. Der
anfänglichen Euphorie der Journalisten konnte kaum ein Wein Bestätigung
verleihen! Daher schon immer mein Rat: Lieber schnell weg mit dem 2003er
Jahrgang bevor er gar keinen Spaß mehr macht. Aber jetzt zum Palmer
2003: Dunkle, dichte Farbe. Süß, reif und vordergründig, duftet der
2003er nach gezuckerten Erdbeeren. Satt, ohne Tiefe oder
Bordeaux-Typizität wirkt er in der Nase wie ein überreif gelesener,
reifer Burgunder. Bilder eines korpulenten Geniessers, der schlapp auf
dem Stuhl sitzt und dessen reichhaltig gefüllter Bauch das Hemd zum
spannen bringt werden wach. Süß, breit, stumpf und kurz ist auch der
Auftritt im Mund. Totgeschlagen von der Jahrhunderthitze des Jahrgangs,
konnte auch das großartige Team auf Château Palmer diesem
Traubenmaterial keine Eleganz oder Finesse entlocken. Ein »gekochter«
Palmer mit stumpfem Tannin und jahrgangstypischer, derber Charaktere.
68CS | 20M | 12PV.
Einen Kommentar schreiben
Bisherige Kommentare